4 lesenwerte Bücher zum Thema IKIGAI

 

In diesem Artikel stelle ich vier aktuelle Bücher vor, die in den letzten Monaten erschienen sind. In meinem Blogartikel vom März 2018 („Sind Sie schon IKIGAI?“) bin ich bereits auf die Grundlagen des IKIGAI-Konzeptes eingegangen. 

Jedes der besprochenen Bücher kann natürlich unabhängig von den anderen gelesen werden und es gibt auch keine empfohlene Reihenfolge der Lektüre. Liest man die Bücher jedoch im Zusammenhang, vertiefen sie die Sichtweise auf IKIGAI als Gesamtidee und zeigen, wie IKIGAI Teil des täglichen Lebens werden kann.

Besprochen werden folgende Titel:

      1. IKIGAI: Gesund und glücklich hundert werden
      2. IKIGAI for Leaders and Organisations
      3. IKIGAI: Giving Every Day Meaning and Joy
      4. IKIGAI: Die japanische Lebenskunst

Darüber hinaus habe ich ein paar hilfteiche IKIGAI-Übungen zum Thema „Wertebasiertes Leben und innere Bedeutung“ zusammengestellt, die beim Einstieg ins Thema hilfreich sein können.

Der Download-Link ist am Ende des Artikels zu finden und exklusiv den Newsletter-Abonnenten zugänglich!

 

IKIGAI: gesund und glücklich hundert werden.

Hector Garcia und Francesco Miralles, erschienen 2018

Dieses schön gestaltete Buch ist im Allegria-Verlag erschienen und bietet die beste Grundlage, um sich auf den IKIGAI-Weg zu machen und die Idee dahinter genauer zu verstehen.

Hector Garcia und Francesc Miralles nehmen den Leser zu Beginn mit in eine kleine Bar in Tokio, in der die Idee zum Buch entstand und in mehreren Treffen konkretisiert wurde. Während sie ihre Freundschaft als Expats in Japan weiter vertieften, stellten sie fest, dass eine Frage sie beide stark interessierte und schon viele Philosophen, Autoren und Dichter beschäftigt hat: Was ist der Sinn des Lebens?

Es dauerte nicht lange, bis sie sich für das japanische Konzept des IKIGAI interessierten, das in der direkten Übersetzung ungefähr bedeutet: „die Freude am beständigen Tun“ bedeutet.

Viele Japaner leben ein relativ einfaches, gesundes Leben, ernähren sich gesund und bewegen sich viel an der frischen Luft. IKIGAI ist ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens und trägt nach Ansicht der Autoren dazu bei, dass sehr viele Japaner bei guter Gesundheit sehr alt werden. Ziel Ihres Buches ist es, die wesentlichen Ideen hinter IKIGAI zu sammeln und zu verstehen, wie man IKIGAI in sein Leben holen kann, um eine „lange und glückliche Reise durch das Leben“ machen zu können.

Dabei verfolgt das Buch mehrere Ziele: Zum einen beleuchtet es, welche Lebensgewohnheiten uns dabei helfen können, ein langes und gesundes Leben zu führen, zum Beispiel unsere Fähigkeit, mit Stress umzugehen, zuviel Sitzen zu vermeiden, wertschätzend auf unsere Emotionen zu achten, eine positive Lebenseinstellung zu entwickeln und ausreichend Schlaf zu bekommen.

Das Buch hilft darüber hinaus aber auch dabei, das eigene IKIGAI zu entdecken. Als Grundlage baut das Buch auf den Arbeiten von Viktor Frankl über die „Suche nach Gründen zum Leben“ auf und integriert die wesentlichen Inhalte des Flow-Konzepts von Mihaly Csikszentmihalyi. Die Autoren untersuchen auch die Effekte von Meditation und Resilienz-Forschung, bevor sie 10 Grundsätze formulieren, die sowohl das Buch wie auch seine Kernbotschaft zusammenfassen:

  1. Aktiv bleiben und sich nicht zur Ruhe setzen.
  2. Die Dinge langsam angehen.
  3. Nie ganz den Bauch füllen.
  4. Umgeben Sie sich mit guten Freunden.
  5. Achten Sie auf sich und Ihr gepflegtes Äusseres
  6. Lächeln Sie viel.
  7. Gehen Sie raus und verbinden Sie sich mit der Natur, z.B. durch Spaziergänge.
  8. Seien Sie dankbar und zeigen Sie es.
  9. Leben Sie im Hier und Jetzt.
  10. Folgen Sie Ihrem eigenen IKIGAI.

Jeder Mensch ist anders. Wir verfügen über individuelle Talente und begeistern uns für unterschiedliche Dinge. Wenn wir wissen, was uns begeistert und gut tut, sollten wir unser Wissen teilen und dafür sorgen, dass wir unseren Leidenschaften folgen. Wenn wir es noch nicht wissen, sollten wir es herausfinden.

IKIGAI 100 werden

IKIGAI:

Gesund und glücklich hundert werden

 Francesc Miralles und Hector Garcia

IKIGAI for Leaders and Organisations

Frank Brueck, erschienen im September 2020

Das Buch von Frank Brueck liegt leider noch nicht in deutscher Übersetzung vor, daher beziehe ich mich hier auf die englischsprachige Ausgabe. Frank Brueck ist Honorar-Professor an der Business School der Universität von Stellenbosch in Kapstadt (Republik Südafrika).

Sein faszinierendes und tiefsinniges Buch stellt IKIGAI als Methode vor, um die Art wie wir leben und arbeiten in Frage zu stellen und uns neu zu erfinden und zu positionieren. Es geht hier um Fragen, die wir uns vielleicht alle schon einmal gestellt haben:

„Kann ich ein Arbeitsumfeld und einen Beruf haben, die gleichzeitig sinnvoll und erfolgreich sind und auch noch Spaß machen? Und wie kann ich als Führungskraft und Vorgesetzter für meine Mitarbeiter eine Quelle der Inspiration und Motivation werden?“

Obwohl IKIGAI in der Regel auf Einzelpersonen bezogen wird, hat das Konzept auch das Potenzial, im geschäftlichen Kontext auf die Mitarbeiter motivierend zu wirken und kann Veränderungen im Innen und Außen einer Organisation unterstützen.

Im Kern kann IKIGAI in diesem Umfeld dafür sorgen, dass Mitarbeiter ermutigt werden, ihrem persönlichen Flow in allem was sie tun zu folgen und so für mehr Lebendigkeit und persönliches Engagement zu sorgen.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf stellt Frank Brueck vier zentrale Fragen, über die seine Leser nachdenken sollten:

    1. Worin bist Du richtig gut?
    2. Welche Tätigkeiten liebst Du am meisten?
    3. Was braucht die Welt nach Deiner Ansicht dringend?
    4. Mit welchen Leistungen und Beiträgen könntest Du Geld verdienen?

Nur wenn wir diese vier Fragen und Dimensionen unseres Seins für uns persönlich zutreffend beantworten können, können wir einen Punkt erreichen, an dem wir mit Leidenschaft leben und einen positiven Beitrag leisten können. Wir müssen also einen Weg finden, um diese unterschiedlichen Dimensionen miteinander zu kombinieren, damit wir auch in unserem beruflichen Umfeld ausgeglichen und fröhlich tätig sein können.

Für die Leser, die das Buch aus der Perspektive einer Führungskraft lesen, sind die im Buch enthaltenen Tests eine praktische Möglichkeit, um zu untersuchen, inwieweit ihr Unternehmen im Moment in Balance ist und ohne Selbstausbeutung arbeitet oder zukünftig arbeiten könnte.

Dabei betont Brueck, dass IKIGAI im Kontext von Unternehmen dazu beitragen kann, typische Verhaltensweisen innerhalb und außerhalb organisatorischer Grenzen positiv zu verändern. Es kann denjenigen, die die IKIGAI-Prinzipien aktiv einsetzen, sowohl als Motivations- wie als Inspirationsquelle dienen.

Das Buch enthält damit eine herausfordernde und kraftvolle Botschaft, die die Möglichkeit für positive Veränderungsprozesse einräumt. Egal ob als Konzept vollständig oder nur in Teilen eingeführt, kann IKIGAI dazu beitragen, mit einer veränderten Perspektive auf Unternehmen und Business zu schauen.

IKIGAI:

Giving everyday meaning and joy

Yukari Mitsuhashi, erschienen im Mai 2018

Schon das schöne Design des Buchdeckels sorgt dafür, dass man dieses Buch gerne in die Hand nehmen möchte, um darin zu lesen.

Die Autorin Yukari Mitsuhashi, die in Japan aufgewachsen ist, bezieht den Leser durch ihre tiefe Kenntnis des IKIGAI sofort ein und erklärt dem Leser zunächst, dass es neben der üblichen Übersetzung im Hinblick auf den „Sinn des Lebens“ darüber hinaus auch darum geht, Glück im eigenen Leben von Tag zu Tag zu empfinden.

Und dies ist die zweite Bedeutung von IKIGAI, denn ohne Glück werden wir wahrscheinlich kein langes und sinnerfülltes Leben führen können.

Aus diesem prinzipiellen Verständnis heraus wird IKIGAI in Japan auch nicht durch formale Ausbildungswege, Kurse o.ä. vermittelt, sondern als etwas, das im täglichen Leben durch Erfahrung gelernt wird.

Und das könnte ein Grund dafür sein, dass IKIGAI in westlichen Kulturen häufig falsch interpretiert wird. Folgt man der Autorin, so ist IKIGAI nicht ausschließlich auf den beruflichen Kontext beschränkt und unser Verständnis von IKIGAI wird durch die Darstellung der vier Ringe in gewisser Weise eingeschränkt.

Für Japaner ist die Anwendung im beruflichen Kontext zwar ein Teil von IKIGAI, aber nicht darauf beschränkt. IKIGAI findet sich nach ihrem Verständnis auch beim Angeln, beim Zusammensein mit Freunden oder beim Genuss eines Glases Wein.

Deshalb beschreibt Yukari Mitsuhashi in ihrem Buch IKIGAI als eine Art von Zufriedenheit, die uns dabei hilft, die Gegenwart wertzuschätzen, während wir uns in die Zukunft bewegen. Sie schreibt: „IKIGAI is about focusing on individual moments, not just on the big journey of life.”

Auf unser Arbeitsleben angewendet bedeutet das, auf die Details unserer Arbeit zu achten, die wir gut finden, auch wenn wir mit unserer aktuellen Tätigkeit unzufrieden sind. Bei der Arbeit geht es – wie in allen anderen Aspekten unseres Lebens – nicht um „Alles oder nichts“. Kleine Veränderungen und Anpassungen an der einen oder anderen Stelle können uns näher an einen Zustand von IKIGAI heranführen, auch wenn nicht alles perfekt ist.

Der Schlüssel liegt in der Neugier darauf, neue Wege zu suchen, um Dinge zu erledigen und auf die interessanten Details zu achten.

Das Buch baut auf der Grundlage auf, dass wir es leichter haben, ein zufriedenes Leben zu führen, wenn wir unsere Leidenschaften und unseren persönlichen Sinn des Lebens gefunden haben. Und dabei muss es nicht um etwas Großartiges oder Außergewöhnliches gehen.

Wir müssen uns nicht vornehmen, den nächsten Spiegel-Bestseller zu schreiben oder eine Weltumseglung zu machen. Es genügt vollkommen, ein gutes Mittagessen zu kochen oder einen achtsamen Spaziergang im Wald zu machen.

Die Autorin zeigt ihre Liebe zu diesen traditionellen japanischen Prinzipien und transportiert sie mit ihrem Buch in unsere moderne Welt mit ihren vielfältigen Herausforderungen. Anstatt eine Musterlösung anzubieten, lenkt sie unsere Aufmerksamkeit darauf, unser Leben genau zu betrachten und wieder zu lernen, die kleinen alltäglichen Dinge wieder wertzuschätzen, die wir häufig übersehen.

Ihre intuitive und natürliche Herangehensweise spiegelt sich in ihren Texten wider und stellt eine wertvolle ergänzende Sichtweise dar, die in den Büchern westlicher Autoren teilweise fehlt.

IKIGAI: Die japanische Lebenskunst

Ken Mogi, erschienen im Januar 2019

Da IKIGAI in das tägliche Leben der Japaner eingebunden ist und Japan das Land mit dem größten Anteil hochaltriger Menschen ist, liegt die Überlegung nahe, ob die Sichtweise des IKIGAI auf das Leben ein Grund für ein langes Leben sein könnte. Ken Mogi kommt als Neurowissenschaftler auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen zu dem Ergebnis: Wahrscheinlich ja.

 

Er definiert in seinem Buch fünf Pfeiler, die dafür von Bedeutung sind und unterfüttert sie mit wissenschaftlichen Daten:

      1. Klein beginnen
      2. Sich entspannen, loslassen
      3. Harmonie und Nachhaltigkeit
      4. Die Freude an den kleinen Dingen
      5. Im Hier und Jetzt sein.

Jeder dieser Punkte ist für sich gesehen wichtig, aber im Zusammenspiel entfalten diese Faktoren die Wirkung von IKIGAI umso stärker. Versehen mit einigen schönen Anekdoten und Geschichten leiten uns die fünf Faktoren auf den Weg, um sie in unser Leben zu integrieren.

Wichtig ist dabei, dass Mogi betont: Es geht bei IKIGAI nicht um ERFOLG im westlichen Verständnis, obwohl sich Erfolg durch IKIGAI häufig von selbst einstellt. Man kann der älteste 3-Sterne-Michelin-Koch der Welt sein und in seinem Sushi-Restaurant Barack Obama begrüßen. Oder man kann als Putzkraft im Shinkansen-Zug arbeiten. IKIGAI steht allen Menschen zur Verfügung und zeigt sich in den kleinen Dingen des Lebens.

Mogi erklärt die Grundlagen des IKIGAI Schritt für Schritt, indem er den fünf Pfeilern des IKIGAI folgt.

Er beschreibt zum Beispiel, wie wichtig es ist, sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen: die frische Tasse Kaffee am Morgen oder das Lächeln eines Passanten während des Hundespaziergangs. Aber auch die Konzentration auf die Kleinigkeiten, die die Qualität der eigenen Arbeit verbessern und uns Freude bereiten: die besonders gelungen formulierte E-Mail, die überzeugende Grafik zur Geschäftsentwicklung oder die schöne Dekoration auf dem Mittagessen.

Wie im Buch erläutert wird, helfen uns viele kleine Dinge, möglichst präsent im Hier und Jetzt zu sein und zu bleiben, z.B. ein Lied, das uns etwas bedeutet oder die bewusste Konzentration auf sensorische Reize: einen schönen Geruch, den Geschmack des Essens oder eines Getränks. Sich dem hingeben zu können und sich loslassen zu können erfordert, Stress und die eigenen Belastungen eine Weile in den Hintergrund zu schieben und sich für das Schöne zu öffnen.

Auch hier – wie in den anderen Büchern – sind der Zustand des Flow und die Arbeiten von Mihaly Csikszentmihalyi nicht weit entfernt. Wenn wir uns auf eine Beschäftigung einlassen, die uns ganz und gar gefangen nimmt und bei der wir alles um uns herum vergessen, sind wir im Flow – und im Zustand des IKIGAI. Der Flow tritt also sowohl in der Art des persönlichen Erlebens zu Tage wie in der besonderen Qualität des erreichten Arbeitsergebnisses.

Das Buch von Ken Mogi ist ein Aufruf zum Handeln und er fordert uns heraus, Neues auszuprobieren und Schritt für Schritt Veränderungen vorzunehmen. Er bringt es auf den Punkt: Um dem eigenen Leben mehr Sinn zu geben braucht es keine Revolution, sondern eine Evolution.

Mein Fazit – und ein Geschenk!

Wenn wir unser Leben sinnvoll gestalten wollen, müssen wir unser eigenes Wertesystem verstehen, damit wir einen Weg wählen können, der unsere Werte in den Mittelpunkt stellt.

Jeder Autor hat seinen individuellen Zugang zur Bedeutung von IKIGAI und der praktischen Anwendung im eigenen Leben. Alle teilen aber das gemeinsame Verständnis, dass IKIGAI für das eigene Leben wertvoll ist. Es ist, was uns morgens aus dem Bett treibt.

Die vier Bedingungen bzw. Fragen, auf die sich alle Bücher beziehen, sind eine gute Hilfestellung sein, um uns unsere Wahlmöglichkeiten zu verdeutlichen und unsere Entscheidungen zu strukturieren. IKIGAI ist nur dann vollständig präsent, wenn alle vier Bedingungen erfüllt sind. Auch der talentierteste Surfer wird nur dann IKIGAI in seinem Leben haben, wenn er einen Weg findet, der Welt einen Nutzen zu bringen und dafür entlohnt zu werden. Ob es sich dabei um einen Job als Surflehrer, Naturfotograf oder Surf-Influencer handelt, spielt keine Rolle.

Im Mittelpunkt aller Bücher steht die Aufforderung zum Handeln und zum Verfolgen des eigenen Weges. Unsere Entscheidungen auf diesem Weg bestimmen darüber, wohin wir gehen wollen.

Ich empfehle, mit irgendeinem der besprochenen Bücher zu beginnen. Jedes ist meiner Meinung nach gut lesbar und vermittelt interessante Einsichten. Mit jedem weiteren Titel kann man das Thema aus einer anderen, zusätzlichen Perspektive beleuchten. So vergrößert sich das eigene Verständnis für das Konzept und erste Erfolge in der Umsetzung werden sichtbar.

Um den Einstieg zu erleichtern habe ich – exklusiv für Abonnenten meines Newsletters – eine kleine Sammlung hilfreicher IKIGAI-Übungen zum Einstieg zusammengestellt. Das kleine Arbeitsbuch kann direkt heruntergeladen werden. 

Viel Spass beim Ausprobieren!

IKIGAI Übungen